Wartungspakete für WordPress
Warum kostet eine WordPress-Seite mittlerweile plötzlich mehr als sie neu gekostet hat?
Illustration eines Technikers bei der Wartung eines Systems.

Die Website ist längst bezahlt. Warum kommt trotzdem jeden Monat eine Rechnung?

In der Regel läuft ein Redesign oder die Erstellung eines neuen Designs für eine Website fast immer nach dem gleichen Schema ab. Nach einer Phase der Zielermittlung und nachdem die letzten offenen Fragen geklärt sind, beauftragt ein Unternehmen einen Webdesigner oder eine Agentur mit der Erstellung der neuen Website. Nach einer gewissen Entwicklungszeit ist die Website fertiggestellt und veröffentlicht. In den ersten Monaten ändert sich inhaltlich erst einmal nicht mehr viel. Vielleicht passiert sogar monatelang überhaupt nichts mehr.

Trotzdem laufen jeden Montag, 50, 80, 100 oder 150 Euro Wartungskosten weiter.

Nach fünf Jahren werden aus 100 € monatlich:

100 € × 12 × 5 = 6.000 €

Verständlicherweise stellt man sich bei diesem Betrag die berechtigte Frage:

Wie kann es sein, dass die Wartung einer Website, meistens bereits nach zwei Jahren, um ein Vielfaches mehr kostet, als die Website selbst?

Was wird bei WordPress überhaupt gewartet?

Um das erklären zu können, muss man fairerweise genauer betrachten, wie eine WordPress-Website überhaupt funktioniert und aufgebaut ist. Eine typische WordPress-Website besteht eben nicht nur aus "WordPress".

Typische Komponenten einer WordPress-Website sind:

  • WordPress Core
  • Theme
  • Plugins
  • PHP
  • Datenbank
  • Hosting

Jede einzelne Komponente davon entwickelt sich unabhängig von den anderen Komponenten weiter.

WordPress bekommt Updates, Plugins bekommen Updates, PHP-Versionen werden eingestellt, Themes verändern sich und Sicherheitslücken werden geschlossen.

Eine WordPress-Website ist kein fertiges Dokument, das einmal hochgeladen wird und anschließend unverändert auf einem Server liegt. eine WordPress-Website ist ein komplexes Softwaresystem. Und jeder einzelne Teil davon muss jederzeit mit allen anderen zusammenpassen.

Die Plugin-Abhängigkeit

Eine moderne WordPress-Seite kann aus WordPress, Elementor, Elementor Add-ons, Formularplugin, SEO-Plugin, Cookie-Banner-Lösung, Backup-Plugin, Security-Plugin etc. bestehen.

Und der entscheidende Punkt dabei ist: 

Die Komponenten müssen nicht nur einzeln funktionieren. Sie müssen jederzeit miteinander funktionieren und untereinander kompatibel sein.

Ein einzelnes Plugin-Update kann problemlos funktionieren. Es kann aber auch Auswirkungen auf ein anderen Plugin, das Theme oder die Darstellung der Website haben.

Deshalb ist „einfach alle 22 Updates anklicken“ eben nicht zwingend professionelle Wartung.

Warum Werbeagenturen und Webdesigner dafür Geld verlangen

Alle Aufgaben, die mit den Updates und der Wartung der einzelnen Komponenten zusammenhängen, erzeugen Aufwand:

Updates prüfen, Backups sicherstellen, Kompatibilität kontrollieren, Sicherheitsprobleme behandeln, PHP-Versionen beobachten, nach Updates die Website testen und im Problemfall ein Backup wiederherstellen.

Das alles kostet Zeit und erzeugt Verantwortung.

Das Problem ist nicht unbedingt das Wartungspaket. Das Problem ist, dass die technische Architektur der Website dieses Wartungspaket überhaupt notwendig machen kann.

Der unsichtbare Preis einer günstigen Website

Mit dieser Tatsache im Hinterkopf wird jetzt interessant.

Eine Website kostet vielleicht:

2.500 € Erstellung

und anschließend

99 € Wartung pro Monat

Nach fünf Jahren:

2.500 € + 5.940 € = 8.440 €

Diese Zahl kann man unter dem Begriff Total Cost of Ownership zusammenfassen.

Die Frage die dahinter steckt, um die kompletten Kosten einer Website über einen längeren Zeitraum zu betrachten ist nicht:

Was kostet meine Website?

sondern:

Was kostet mich meine Website über fünf oder zehn Jahre?

Wenn man diese Rechnung im Kopf behält, fällt die Bilanz der "eigentlich" erst einmal kostenlosen WordPress-Installation komplett anders aus.

„Aber an meiner Website wurde doch gar nichts gemacht“

Diese Aussage begegnet mir als Webdesigner immer wieder wenn ich mit Kunden spreche, die eine WordPress-Website im Einsatz haben oder hatten.

Mit dem Hintergrund des vorherigen Abschnitts muss man fairerweise diese Frage so beantworten: Sichtbar wurde vielleicht tatsächlich nichts gemacht. Technisch kann trotzdem Wartungsarbeit notwendig gewesen sein.

Updates, Backups und Sicherheitsmaßnahmen sieht der Besucher nicht.

Die Frage die man anschließend korrekterweise stellen muss lautet:

Passt ein System mit diesem Wartungsbedarf überhaupt zu einer kleinen Unternehmenswebsite, an der sich inhaltlich vielleicht nur wenige Male im Jahr etwas ändert?

Oder:

Braucht dieser konkrete Kunde überhaupt ein System, das diese Wartungerforderlich macht?

Wann WordPress trotzdem die richtige Wahl ist

Trotz allem bietet WordPress natürlich auch enorme Vorteile. Es ist in Deutschland immer noch mit riesigem Abstand das am meisten eingesetzte CMS-System für Website.

WordPress bietet ein riesiges Ökosystem mit: Plugins für praktisch alles, WooCommerce für E-Commerce-Websites, individuelle Erweiterbarkeit, komplexe Funktionen etc.

Wenn ein Unternehmen diese Möglichkeiten benötigt, können die Wartungskosten vollkommen gerechtfertigt sein.

Man sollte sich nur immer fragen: Braucht der örtliche Bäcker oder der Elektriker um die Ecke mit 5 bis 10 Seiten, Referenzen und einem Kontaktformular wirklichlich dieses komplexe Ökosystem?

Das ist die entscheidende Frage.

Welche Alternativen gibt es?

Inzwischen gibt es Plattformen gibt, bei denen Hosting, Infrastruktur und wesentliche technische Komponenten zentral verwaltet werden. Aktuelle Beispiele sind die Tools Webflow und Framer.

Bei der Verwendung solcher Tools fallen beispielsweise die typischen Plugin-, Theme- und PHP-Wartungsthemen weg.

Natürlich gibt es dafür andere Kosten. Beispielsweise bei Webflow etwa den Webflow-Site-Plan. Dieser ist jedoch deutlich günstiger und preiswerter als ein Wartungspaket für Webflow.

WordPress: Hosting, ggf. Lizenzen, Wartung
Webflow: laufende Plattform-/Hostingkosten, aber typischerweise kein klassisches WordPress-Wartungspaket

Es gibt nicht eine generell richtige Lösung für alle Einsatzgebiete. Ich prüfe daher bewusst bei kleinen Unternehmenswebsites, welches System langfristig wirtschaftlicher ist und am besten passt.

Rechne nicht nur den Kaufpreis. Rechne für die nächsten fünf Jahre.

  • Was kostet die Erstellung?
  • Was kostet Hosting?
  • Welche Lizenzen laufen jährlich?
  • Was kostet die Wartung?
  • Was kosten Änderungen?
  • Was kostet das System über fünf Jahre?

Fazit: Wartung ist nicht kostenlos, aber vielleicht vermeidbar

Ein WordPress-Wartungspaket ist nicht automatisch überteuert oder unnötig. Eine professionell betreute WordPress-Website benötigt tatsächlich laufend technische Pflege.

Die wichtigere Frage lautet deshalb:

Benötigt meine Website WordPress und damit ein System, das diese laufende Pflege überhaupt erforderlich macht?

Lass uns reden.